Alissa Stein: Jetzt dürfen Sie ganz gespannt sein, denn wir kommen zu einem Thema, das Sie sicherlich auch interessieren wird. Es geht nämlich darum, wie wir unsere Babys besser verstehen können, und dazu sitzt eine Expertin neben mir, die verstanden hat, wie Babys mit uns kommunizieren. Ihr Name ist Kelly Malottke, und ich freue mich sehr auf das Gespräch. Hallo Kelly.

Kelly Malottke: Hallo Alissa, schön, dass ich hier sein darf.

Alissa Stein: Kelly, wir sprechen heute über Babys und wie sie mit uns kommunizieren. Was hast du da herausgefunden?

Kelly Malottke: Babys kommunizieren auf sehr vielfältige Arten und Weisen. Mit meinen eigenen drei Kindern habe ich festgestellt, dass es immer wieder Herausforderungen gibt. Obwohl wir wissen, dass unsere Kinder viel zu sagen haben, gibt es Punkte im Alltag, die wir nicht verstehen, unabhängig davon, ob das Kind schon ein Wort sprechen kann. Kinder haben mehr Potenzial, uns etwas mitzuteilen, als wir oft glauben.

Alissa Stein: Ab welchem Alter beginnt das denn, dass Kinder wirklich auch kommunizieren können?

Kelly Malottke: Grundsätzlich kommunizieren Kinder von Geburt an mit allen Formen der Kommunikation. Die nonverbale Kommunikation ist besonders wichtig. Kinder kommunizieren durch Blickkontakt, Mimik, Gestik, Körperhaltung und Verhalten. Sie drehen sich zum Beispiel irgendwo hin oder weg. Es ist unglaublich wichtig, dass wir die Kinder mit allem, was sie ausdrücken, auch hören und sehen.

Alissa Stein: Was sind denn typische Zeichen, die Babys machen, und was bedeuten sie?

Kelly Malottke: Ein typisches Zeichen ist, dass Babys ihren Mund bewegen, wenn sie Hunger haben. Solche natürlichen Signale müssen Eltern erst lernen zu lesen. Das dauert eine Weile, besonders in der Anfangszeit. Es ist wichtig, dass Eltern sich die Zeit nehmen, ihr Kind zu beobachten und herauszufinden, was es ihnen sagen möchte.

Alissa Stein: Wie hast du selbst den Zugang zur Babyzeichensprache gefunden?

Kelly Malottke: Die Geburt meines ersten Kindes hat meine Welt komplett verändert. Ich dachte, hallo Würmchen, jetzt bist du da, aber was hast du mir zu sagen? Ich wollte auch etwas zurücksagen. Das hat meine Sichtweise auf Elternschaft verändert. Ich sehe mich als Botschafterin, die die Mythen rund um Elternschaft aufbrechen möchte. Es ist nicht immer einfach, aber die Beziehung und Kommunikation mit dem Kind sind entscheidend.

Alissa Stein: Welche Vorteile hat es, wenn Eltern die Babyzeichensprache nutzen?

Kelly Malottke: Babyzeichensprache ermöglicht es Kindern, gezielt Handzeichen zu verwenden, um ihre Bedürfnisse auszudrücken. Ein Kind kann zum Beispiel auf eine Banane zeigen, wenn es diese essen möchte. Dadurch entsteht eine klare Kommunikation, die Missverständnisse reduziert. Es stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kind und fördert die Sprachentwicklung sowie das Selbstbewusstsein und die Autonomie der Kinder.

Alissa Stein: Wie können Eltern die Babyzeichensprache in ihren Alltag integrieren?

Kelly Malottke: Eltern müssen das Konzept der Gebärdenkommunikation lernen. Es sind echte Gebärden aus der deutschen Gebärdensprache, die mit hörenden Kindern verwendet werden. Kinder nehmen die Gebärden als selbstverständlich an, weil sie das von der Evolution her noch kennen. Ich habe ein Buch geschrieben und biete Online-Kurse sowie einen Mitgliederbereich an, um Eltern zu unterstützen. Es ist wichtig, dass die Babyzeichensprache natürlich in den Alltag integriert wird.

Alissa Stein: Gibt es auch besondere Momente, in denen die Babyzeichensprache dir geholfen hat, deine Kinder besser zu verstehen?

Kelly Malottke: Ja, besonders bei meinem zweiten Sohn. Nachts wachte er auf und weinte. Nach Stunden des Beruhigens fiel mir ein, dass er schon viele Gebärden kannte. Ich fragte ihn mithilfe der Babyzeichensprache, was er mir sagen wollte. Er zeigte das Zeichen für Angst und Knolle, eine Bilderbuchfigur, vor der er Angst hatte. In dem Moment entspannte er sich und schlief wieder ein. Das zeigt, wie wichtig es ist, seine Kinder zu verstehen.

Alissa Stein: Was sind deine wichtigsten Tipps für Eltern, die mit Babyzeichensprache beginnen möchten?

Kelly Malottke: Beginnt früh, am besten ab sechs Monaten, und wählt einfache Gebärden, die mit den Grundbedürfnissen eures Kindes verbunden sind. Wiederholt die Gebärden regelmäßig in den entsprechenden Kontexten und seid geduldig. Beobachtet euer Kind genau und nutzt jede Gelegenheit zur Kommunikation. Es gibt viele Ressourcen, die Eltern unterstützen können.

Alissa Stein: Wieso ist dir dieses Thema so wichtig?

Kelly Malottke: Ich habe mich schon immer für Kommunikation interessiert und hatte immer das Bedürfnis, verstanden zu werden. Es ist mir wichtig, dass Kinder gehört und gesehen werden, weil sie so viel Potenzial mitbringen. Dieses Potenzial sollte nicht verloren gehen. Die Babyzeichensprache ermöglicht Kindern, ihre Bedürfnisse und Gedanken klar auszudrücken, was ihre Selbstbestimmung und Autonomie fördert. Zudem habe ich als Kind Missbrauch erlebt, und meine Körpersprache hat damals Bände gesprochen, aber niemand hat es bemerkt. Wenn Erwachsene wüssten, wie wichtig es ist, die Körpersprache von Kindern zu verstehen, könnten sie schneller helfen.

Alissa Stein: Vielen Dank, Kelly, für das inspirierende Gespräch und die wertvolle Arbeit, die du leistest.

Kelly Malottke: Danke, Alissa. Es war mir eine Freude.

Fazit

Das Interview mit Kelly Malottke zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Babyzeichensprache ist, um die Kommunikation mit Eurem Baby zu verbessern. Von Geburt an kommunizieren Kinder durch nonverbale Signale, die Ihr als Eltern lernen müsst zu verstehen. Babyzeichensprache erweitert dieses natürliche Potenzial und stärkt die Bindung zwischen Euch und Eurem Kind. Durch die gezielte Verwendung von Handzeichen können Babys ihre Bedürfnisse und Gedanken ausdrücken, lange bevor sie sprechen können. Dies fördert die Sprachentwicklung, das Selbstbewusstsein und die Autonomie der Kinder. Kellys Ansatz, die Gebärdenkommunikation natürlich in den Alltag zu integrieren, macht es Euch als Eltern leicht, diese Methode umzusetzen. Mit ihrem Buch, Online-Kursen und einem Mitgliederbereich bietet sie umfassende Unterstützung, damit Ihr Eure Kinder besser verstehen und eine tiefere Beziehung zu ihnen aufbauen könnt. Die Babyzeichensprache ist somit ein wertvolles Werkzeug, um die frühe Kommunikation zu verbessern und das Potenzial Eurer Kinder voll auszuschöpfen.

Kelly Malottke
Author: Kelly Malottke

Kelly Malottke ist Expertin für frühkindliche Kommunikation mit Babygebärden, staatlich geprüfte Heilerziehungspflegerin, Pädagogin und dreifache Mutter. Sie ist Autorin eines der beliebtesten Ratgeber für Babyzeichensprache und hat über 10.000 Eltern beraten. Mit mehr als 1450 Kursstunden und 260 ausgebildeten Kursleiterinnen sowie vielen Standorten für ihr Programm "Zauberhafte Babyhände" ist sie eine der führenden Expertinnen in ihrem Fach. Kelly lebt in Deutschland und begeistert weltweit Eltern mit ihrer Vision: "Jedes Kind hat das Recht auf ganzheitliche Kommunikation mit Gebärden, noch vor dem ersten Wort."

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